Wenn Sie der Meinung sind, dass die Vorschriften Ihres örtlichen Gesundheitsamtes zur Entsorgung von Nadeln etwas übertrieben sind, hätten Sie einmal die Rechtslage im Jahr 787 sehen sollen. Seitdem Menschen Pigmente in die Haut einbringen, versuchen Gesetzgeber herauszufinden, wie genau damit umzugehen ist. Im Laufe der Geschichte war das Tätowieren alles Mögliche – von einer gesetzlich vorgeschriebenen Strafe über einen verbotenen Akt der Rebellion bis hin zu einem medizinischen Vergehen.

Das Zeichen der Ausgestoßenen

In der Antike betrachtete das Gesetz Tätowierungen nicht als Form des Selbstausdrucks, sondern als ein dauerhaftes Kennzeichnungssystem für den Staat. Im antiken Griechenland und Rom diente das Tätowieren ausschließlich Strafzwecken. Das Gesetz schrieb vor, dass Sklaven, Kriminelle und Kriegsgefangene „gekennzeichnet“ werden mussten, damit sie ihrem Status niemals wirklich entkommen konnten. War man ein entflohener Sklave im Römischen Reich, verlangte das Gesetz, dass man auf der Stirn mit den Buchstaben F.V.V. (Fugitivus) tätowiert wurde. Es handelte sich im Grunde um einen gesetzlichen scharlachroten Buchstaben, den man am Ende des Tages nicht einfach abwaschen konnte.

Im kaiserlichen China, das sich über den gesamten Globus erstreckte, sah das Rechtssystem die „Fünf Strafen“ vor, zu denen auch das „Mò“ gehörte – das Brandmarken des Gesichts oder der Arme mit Tinte. Für eine konfuzianische Gesellschaft, die großen Wert auf die „Reinheit“ des Körpers legte, bedeutete dies das soziale Aus. Man war nicht nur ein Verbrecher, sondern trug sein Verbrechen wie ein ständiges Mahnmal auf der Haut.

Die große päpstliche Unterlassungserklärung

Als sich das Römische Reich zu einem christlichen Reich wandelte, änderte sich der rechtliche Status der Tätowierung grundlegend. Die frühen Christen nutzten Tätowierungen zwar, um sich in Zeiten der Verfolgung gegenseitig zu erkennen, doch die Behörden wurden schließlich darauf aufmerksam. Im Jahr 787 n. Chr. erließ Papst Hadrian I. offiziell ein Verbot von Tätowierungen im gesamten christlichen Reich und erklärte sie zu einem heidnischen Aberglauben, der das „Ebenbild Gottes“ entweihe.

Dies war nicht nur ein Vorschlag, sondern wurde zu einem kulturellen Gesetz, das das Tätowieren fast tausend Jahre lang aus der europäischen Gesellschaft verdrängte. Die einzigen, denen es gelang, diese Gesetze zu umgehen, waren die Kreuzritter. Als sie das Heilige Land erreichten, ignorierten viele das Verbot und ließen sich als eine Art rechtliche „Versicherung“ tätowieren. Sollten sie im Kampf sterben, stellte die Tätowierung sicher, dass sie ein christliches Begräbnis erhielten, anstatt in ein Massengrab geworfen zu werden.

Das Zivilisationsverbot

Springen wir ins 19. Jahrhundert, wo sich das juristische Drama nach Japan verlagerte. Während der Meiji-Restauration im Jahr 1872 war die Regierung verzweifelt bemüht, gegenüber westlichen Besuchern „modern“ und „zivilisiert“ zu wirken. Um dies zu erreichen, erklärte sie das Tätowieren – eine Kunstform, die die Japaner über Jahrhunderte hinweg perfektioniert hatten – für ihre eigenen Bürger gänzlich illegal.

Das Gesetz wies jedoch eine kuriose Lücke auf: Es galt nicht für Ausländer. Während die japanische Polizei Einheimische wegen ihrer Tätowierungen verhaftete, lud sie gleichzeitig westliche Königshäuser in Tattoo-Studios ein, um die „exotischen“ Fähigkeiten des Landes zu präsentieren. Sowohl König Georg V. von England als auch Zar Nikolaus II. von Russland nutzten bekanntlich diese rechtliche Doppelmoral und ließen sich während ihres Japanbesuchs trotz des Verbots tätowieren.

Prohibition am Hudson

Man könnte meinen, die Zeiten, in denen Tätowierungen verboten waren, seien mit dem Mittelalter vorbei gewesen, doch New York City hielt noch bis weit in die Moderne hinein an diesem Verbot fest. Von 1961 bis 1997 war es in den fünf Stadtbezirken tatsächlich illegal, sich tätowieren zu lassen. Die Stadt führte einen Hepatitis-B-Ausbruch als rechtliche Begründung an, doch Historiker argumentieren, dass es sich in Wirklichkeit um ein „Verschönerungsprojekt“ handelte, das darauf abzielte, das Image der Stadt für die Weltausstellung 1964 aufzupolieren.

Sechsunddreißig Jahre lang glich die New Yorker Tattoo-Szene einer riskanten Untergrundbewegung. Die Künstler arbeiteten in geheimen Lofts in Greenwich Village, und Kunden mussten jemanden kennen, der wiederum jemanden kannte, um auch nur ein kleines Tattoo zu bekommen. Erst als eine Gruppe von Künstlern die Stadt vor Gericht brachte, wurde das Verbot endlich aufgehoben – ein Beweis dafür, dass selbst das Gesetz eine gute Nadel nicht aufhalten kann.

Eine weltweite Übersicht über rechtliche Besonderheiten

Auch heute noch stehen das Gesetz und die Tätowiernadel in einem komplizierten Verhältnis zueinander. Während die meisten Länder das Tätowieren mittlerweile als reguliertes Gewerbe behandeln, gelten in einigen Regionen nach wie vor Vorschriften, die von schützenden bis hin zu geradezu bizarren Maßnahmen reichen.

Südkorea

Bis vor kurzem galt das Tätowieren rechtlich als „medizinischer Eingriff“. Das bedeutete, dass Tätowierer einen medizinischen Abschluss benötigten, um arbeiten zu dürfen, was die gesamte Branche jahrzehntelang in eine rechtliche Grauzone drängte.

Dänemark

Ein Gesetz aus dem Jahr 1966 verbietet eigentlich das Tätowieren der Hände, des Halses oder des Gesichts. Auch wenn es heute weitgehend ignoriert wird, ist es als Überbleibsel der „Sittengesetze“ weiterhin in Kraft.

Thailand

Es ist strengstens verboten, sich ein Buddha-Tattoo stechen zu lassen, wenn man kein praktizierender Buddhist ist. Touristen wurden bereits festgenommen oder ausgewiesen, weil sie religiöse Symbole als „coole Kunst“ betrachtet haben.

Die Europäische Union

Im Jahr 2022 wurden durch die REACH-Verordnung Tausende von Chemikalien verboten, die in farbigen Tätowierfarben enthalten sind, wodurch viele beliebte Blau- und Grüntöne praktisch über Nacht verboten wurden.

Die Zukunft des „Inkable Law“

Je weiter wir in die 2020er Jahre voranschreiten, desto mehr verlagert sich der juristische Streitpunkt von der Frage „Darf man es haben?“ hin zu „Wem gehört es?“. Derzeit erleben wir einen sprunghaften Anstieg von Urheberrechtsklagen, in denen Tätowierer Videospielfirmen und Filmstudios verklagen, weil diese ihre Werke ohne Genehmigung auf den Körpern von Prominenten und Sportlern abgebildet haben.

Die Geschichte des Gesetzes und der Tätowierungen zeigt uns: Auch wenn der Staat versuchen mag, uns zu brandmarken, zu verbieten oder unsere Farbstoffe zu regulieren, ist das menschliche Verlangen, die Haut zu markieren, ein unauslöschlicher Teil unserer Geschichte. Das Gesetz mag sich von Zeit zu Zeit ändern, doch die Tinte ist dauerhaft.